Klosterfrau in St. Klara und Textilpionierin

30. Oktober 2026
Das Nidwaldner Museum würdigt das Wirken von Schwester Augustina Flüeler (1899 – 1992) mit einer grossen Schau über ihr textiles Schaffen. Sie revolutionierte die kirchlichen Gewänder und verwandelte diese in Kunstwerke. Ihr Bruder Anton war ihr Vertrauter und Förderer.

Von Urs Sibler

In der Erinnerung der Stanserinnen und Stanser, die Augustina Flüeler noch er­lebt haben, tritt sie nicht im Ordenshabit auf, sondern im Deux-Pièces. Wohl ist es in der braunen Farbe der Kapuzinerin­nen gehalten. Aber es soll der Trägerin ermöglichen, als Geschäftsfrau für ihren Betrieb im Kloster St. Klara zu reisen und für ihre 10 bis 15 Angestellten Auf­träge zu akquirieren.

Ihr Bruder Anton wohnt im Oberhaus am Rathausplatz. Er ist Tänzer und Glasmaler und in regem Austausch mit der Künstlerin Annemarie von Matt. Für Augustina ist ihr Bruder eine wich­tige Inspiration. In der Publikation der Schweizerischen St. Lukasgesellschaft «Aus dem Kunstschaffen der Gegenwart 1962 – 1968» schreibt sie: «Da waren be­sonders auch mein Bruder Anton und mein Schwager Albert Schilling, die mich sehr förderten.» Anton war ein schweigsamer, immer in Schwarz geklei­deter Zeitgenosse. Der Architekt Ludwig Kayser, der mit seiner Familie auch im Oberhaus wohnte, staunte darüber, wie aufwendig Anton für sich alleine kochte und das Essen zelebrierte.

Die Unternehmerin
Ordensfrau und Tänzer, diese Kombi­nation passt ausgezeichnet im Fall der Geschwister Flüeler: Augustina, die ehr­geizige und innovative Textilgestalterin, und Anton, der Balletttänzer und Künst­ler in Deutschland, Paris und Stans. Wenn Sr. Augustina ein Fotomodell braucht für ihre liturgischen Gewänder, ist Toni zur Stelle. Das Geschäft floriert. Die Kapuzinerin Sr. Augustina Flüeler führt ab 1930 im Kloster einen Betrieb mit Stickerinnen, Schneiderinnen, We­berinnen und mit auf kirchliche Texti­lien spezialisierten Paramentikerinnen, wie sie ab 1948 von Erna Schillig an der Kunstgewerbeschule Luzern ausgebildet werden. Die handgewobenen Stoffe und Gewänder aus der Paramentenwerkstät­te St. Klara bestechen durch ihre Ele­ganz und faszinieren heute noch durch ihre handwerkliche Qualität und ihre Schönheit.

Überfällige Würdigung
Das Nidwaldner Museum zeigt ab dem 7. November die erste grosse Ausstel­lung zu Augustina Flüeler, ergänzt mit einer kleinen Schau über ihren Bruder Toni. Eine umfassende Publikation, he­rausgegeben von Gabriela Christen und Carmen Stirnimann, würdigt Augustina Flüeler als Klosterfrau, Künstlerin und Textilunternehmerin. Über Anton Flüe­ler wird 2027 eine Publikation der Frey­Näpflin-Stiftung erscheinen.

Ausstellung: 7. Nov. 2026 bis 30. Mai 2027
im Winkelriedhaus des Nidwaldner Museums.

www.nidwaldner-museum.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.

Die Künstlerin Augustina Flüeler am Entwerfen, um 1950. (Bild: Archiv Kloster St. Klara, Stans)
Die Künstlerin Augustina Flüeler am Entwerfen, um 1950. (Bild: Archiv Kloster St. Klara, Stans)