Stanser «Little Italy» – vom Dorfplatz zum Telleneck

17. Dezember 2025
Der Dorfplatz ist das Herz von Stans. Dass es hier pulsiert, ist sowohl den Detailhandelsgeschäften wie auch den Restaurants zu verdanken. Am Ausgang Richtung Engelbergstrasse fühlt sich's an wie in «Little Italy»: Prendiamo un Espresso!

von Peter Steiner

Um den Stanser Dorfplatz sind Gast­häuser eine jahrhundertealte Tradition. Während einst bekannte Adressen wie das «Bürgi» (heute Einkaufsgeschäft Voi) oder die «Krone» (heute das 3Sixty) den Betrieb längst einstellten, halten sich «Engel» und «Tell» elegant aufrecht, se­kundiert von der relativ jungen «Linde» (eröffnet 1984). Neue Farbtupfer sind jetzt eingangs der Engelbergstrasse mit «Esspresso Coletta's Café Bar» und der Bistrobar «Vis à Vis» gesetzt.

Wurzeln in Italien
Wer die Entwicklungslinien um die Häuser am Telleneck verfolgt, wird un­weigerlich auf innere Zusammenhänge stossen. Da machte sich vor gut 30 Jah­ren ein junger Mann auf der Suche nach Arbeit von Süditalien aus auf den Weg Richtung Schweiz. Er fand sie in einem Baugeschäft in Beckenried, wechselte in die Küche des Kantonsspitals und reali­sierte für sich dann die Idee, Spezialitä­ten aus seiner Heimat zu importieren. In der ehemaligen Metzgerei Hirschen eta­blierte er ein Verkaufslokal, in welchem er auch «Pizza al taglio» anbot. 2002 er­gab sich für Osvaldo Vitale die Möglich­keit, im Hause Dorfplatz 4/5 zum Laden hin das Ristorante Dal Paesano zu eröff­nen – ein kleines Stück Italianità hatte sich zum Dorfplatz vorgetastet.

Auf lange Dauer war das Domizil dort nicht angelegt, weil das Schicksal der Liegenschaft im Ungewissen lag. Mit der Kündigung in der Tasche fand Osvaldo in der Pacht des benachbarten Restau­rant Tell den Ausweg aus der misslichen Lage, und ein 2017 erfolgtes Kaufange­bot für das traditionsreiche Haus wurde zum Glücksfall. Gerne erinnert sich Osvaldo an die überaus schnelle Einigung mit dem Besitzer Renato Ferronato und seine Lehre daraus: «Wo sich eine Türe schliesst, geht meist eine andere auf.»

Auch Eros kommt vom Süden her
Aufgewachsen ist auch Eros Coletta (32) in Süditalien, hat dort Koch gelernt, ist Pizzaiolo geworden und dann auch «Barista», will heissen: Kaffeekünstler. Ei­nem Cousin folgend heuerte er 2013 im Buochser «Rigiblick» an, arbeitete dann bei den «Pastarazzi» und lernte dabei die hiesige Sprache. Bald träumte Eros von einem eigenen Lokal mit italienischem Angebot und der Möglichkeit, der Kund­schaft einen feinen Caffè nach Barista-Art zu servieren.

«Ein guter Kaffee», kommt der Fach­mann ins Schwärmen, «entsteht im Zusammenspiel mit den Bohnen, ihrem Mahlgrad, der Temperatur des Wassers – ein Prozess, der nie langweilig wird.» Nun: Das «Lädeli» fand sich vor fünf Jahren am Platz der Goldschmiede Lindinger an der Engelbergstrasse 2 – und es wurde schnell beliebt.

Doppelwechsel
«Es war», sagt Eros, «nicht angenehm, immer wieder Leute wegzuschicken, weil alle Plätze belegt waren», und so hat er die «Chance des Lebens» gepackt, seinen Kleinbetrieb über die Strasse ins totalsa­nierte Lokal im Haus Dorfplatz 4/5, dem ehemaligen «Dal Paesano», zu verlegen. «Die Inneneinrichtung hat meine Frau Désirée entworfen», bemerkt er freudig, und da darf man ihm zustimmen: Sie ist sehr geschmackvoll.

Platz für Neues – das galt natürlich jetzt auch im Haus Joller. Die Lücke fasste Osvaldo Vitale ins Auge, vis-à-vis vom Stammhaus eine Bar «come in Italia, perché no?» Gedacht, getan! Er lud sei­nen Sohn Alessio und dessen Freundin Lina zum Mitdenken ein und beauf­tragte ein Mailänder Architektenpaar mit der Gestaltung der Ausstattung. Es lässt sich sehen, was daraus geworden ist: ein edel gefertigtes Buffet, sorgfäl­tig gewählte Farben, feinabgestimmte Beleuchtung. Alessio (24), der eigentlich Wirtschaft studiert hat, kommt hier die Rolle des Gastgebers zu. Im Gewerbe ist Alessio nicht neu, hat er doch schon als Jugendlicher in den väterlichen Betrie­ben mitgeholfen und so erfahren, wie anspruchsvoll, aber auch befriedigend der Beruf des Gastwirtes ist.

Pinsa e Dolci
Dreimal Italien auf engstem Raum, das verlangt nach Differenzierung im Ange­bot. Die Pizze sind gesetzt, sie sind die Klassiker des «Italieners im Tell» – eben Osvaldo. Eros Coletta hat sich für eine römische Spezialität entschieden, die Pinsa. Es ist dies ein nach dem Backen belegter Teig aus Weizen-, Reis- und So­jamehl, der sich der Pizza vergleichbar belegen lässt, aber leichter verdaulich sei. Alessio Vitale im Vis à Vis schwärmt von italienischen Dolci, die er gerne zum morgendlichen Cappuccino legt, ein Cannoncino beispielsweise oder ein Apollino. Und allerorten sind es die südlichen Weine, die Aperitivi, die Espressi und – im Sommer dann wieder – die Gelati: Gefühle wie in Bella Italia!

Öffnungszeiten:

Esspresso-Bar Coletta
Mo–Mi: 8–17.30,
Do–Fr: 8–21, Sa: 8–17.30 Uhr;
So geschlossen.

Bistrobar Vis à Vis
Di–Mi: 9–18.30,
Do & Sa: 9 – 19.30, Fr: 9 – 21 Uhr;
So–Mo geschlossen.

Italiener im Tell
Mo–Sa: 9–22,
So: 11.30–21.30 Uhr

Eros Coletta und Alessio Vitale
Eros Coletta, Espressobar Coletta (links). Alessio Vitale, Bistrobar Vis à Vis (rechts). (Bilder: Peter Steiner)