Wohin die Fahrt im Westen gehen soll
Interview: Peter Steiner
Frau Baudirektorin Rotzer, was motiviert den Nidwaldner Regierungsrat, die Idee einer Westumfahrung von Stans wieder aufzugreifen?
Therese Rotzer: Es geht um die Entlastung des Stanser Dorfkerns vom Durchgangsverkehr aus Richtung Ennetmoos in Richtung Engelbergertal und Seegemeinden. Im Zentrum passiert der Verkehr Strassenabschnitte, die eher den Charakter von Quartierstrassen als den einer Durchgangsstrasse aufweisen. Um diese Engpässe zu entlasten, sind die neue Verbindung und flankierende Massnahmen nötig. Bei der Lösungs suche am Runden Tisch mit Vertretungen aus Landrat und betroffenen Gemeinden fand die Notwendigkeit einer Westumfahrung sehr grosse Zustimmung.
Was könnten diese in Zahlen ausmachen?
Unsere Modellierungen stellen eine Entlastungswirkung im Bereich der Kantonalbank von zirka 56 Prozent des Verkehrs und im Bereich des Dorfplatzes von zirka 31 Prozent in Aussicht. Das wäre im Alltag markant spürbar.
Für die Anlage der neuen Direktverbindung von der Ennetmooserstrasse zum A2-Anschluss Stans-Nord beim Länderpark wurden Varianten diskutiert. Welche kamen in den «Final»?
Startpunkt für alle Varianten ist die Ennetmooserstrasse zirka 400 Meter ausserhalb des Kantonsspitals. Die geprüften Varianten führen entweder zum Rotzloch-Kreisel beim Burger King oder zum Bitzi-Kreisel bei der Einfahrt zum Parkhaus des Länderparks. Zwar ist die Strecke zum Rotzloch-Kreisel länger, aber die Zuführung zum Bitzi-Kreisel ist problematischer: Sie grenzt unmittelbar an Wohngebiet, ist anschlusstechnisch anspruchsvoller und beinhaltet die Gefahr von Rückstaus bis zur Stansstaderstrasse. Die Bitzi-Lösung wäre zwar etwa zehn Prozent günstiger, die Preisschätzung umfasst aber die dort nötigen Anpassungen noch nicht vollständig. Zudem ist sie bereits einmal vom Landrat abgelehnt worden. Nach dem Abwägen aller Vor- und Nachteile hat sich der Regierungsrat für die Anbindung an den Rotzloch-Kreisel entschieden.
Das Trassee der Zentralbahn soll unterfahren werden, womit sich die Strasse in den Grundwasserfluss stellt. Weshalb sieht das Projekt nicht die Überführung vor?
Die Machbarkeit der Unterführung ist grundsätzlich gegeben, die Umsetzung aber kostenintensiv – sie beansprucht rund die Hälfte der Baukosten. Auch der Bau einer Brücke wäre nicht billig, würde aber das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen, im Betrieb würde sich der Verkehrslärm weitherum hörbar verbreiten.
Kommt die Absenkung nicht mit einer möglichen Tieflegung der Zentralbahn in Konflikt?
Konkrete Vorstellungen über die Linienführung der Bahn-Tieflegung existieren bislang nicht, wir gehen aber davon aus, dass ein eventuelles Projekt von der Strassenunterführung nicht verunmöglicht wird. Weiterhin möglich bleibt eine ebenerdige Bahn-Haltestelle Bitzi/ Länderpark.
Sind die Grundeigentümerinnen und -eigentümer mit im Boot?
Wir haben sie laufend und wiederholt informiert. Dass sich die Freude an der neuen Strasse in Grenzen hält, ist verständlich. Immerhin lässt sich sagen, dass die gewählte Variante RotzlochKreisel den Hauptbetroffenen erträglicher erscheint als die Bitzi-Variante. In der Detailplanung sind allerdings noch Verbesserungen zu prüfen.
Die Medienmitteilung des Kantons Nidwalden nennt flankierende Massnahmen im Ortskern von Stans als unabdingbar für die Umlenkung des Verkehrsstroms. Was heisst das konkret?
Die Durchfahrt durch den Dorfkern muss unattraktiv gemacht werden. Gedacht wird deshalb an die Ausweitung der Tempo-30-Zone, teilweise gar an Tempo-20-Bereiche. Dies trägt dazu bei, den Durchgangsverkehr auf die Umfahrungsstrasse zu verlagern und das Zentrum nachhaltig zu entlasten. Die neue Strasse generiert ein vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis nur in Verknüpfung mit den flankierenden Massnahmen.
Wie sieht jetzt der Zeitplan aus?
Der Regierungsrat hat den Planungsbericht und den Antrag für einen Projektierungskredit über 800'000 Franken an den Landrat verabschiedet. Dieser wird voraussichtlich im Oktober/November darüber entscheiden, ob der vorgeschlagene Weg weiterverfolgt werden kann. Spätestens mit dem Baukredit von gegenwärtig geschätzten 41 Mio. Franken wird die Stimmbevölkerung zum Vorhaben Stellung nehmen können. Geht alles nach Plan, kann die Strasse im Jahr 2035 in Betrieb genommen werden.