Wohin die Fahrt im Westen gehen soll

26. August 2026
Die Idee, den Ortskern von Stans mit einer Westumfahrung vom Verkehr zu entlasten, ist schon jahrzehntealt. Bisher sind alle Projekte politisch gescheitert. Jetzt wagt die Regierung einen neuen Anlauf. Im Gespräch erläutert Regierungsrätin Therese Rotzer die Gründe und den Plan.

Interview: Peter Steiner

Frau Baudirektorin Rotzer, was motiviert den Nidwaldner Regie­rungsrat, die Idee einer Westumfahrung von Stans wieder aufzugreifen?
Therese Rotzer: Es geht um die Entlas­tung des Stanser Dorfkerns vom Durch­gangsverkehr aus Richtung Ennetmoos in Richtung Engelbergertal und See­gemeinden. Im Zentrum passiert der Verkehr Strassenabschnitte, die eher den Charakter von Quartierstrassen als den einer Durchgangsstrasse aufwei­sen. Um diese Engpässe zu entlasten, sind die neue Verbindung und flan­kierende Massnahmen nötig. Bei der Lösungs suche am Runden Tisch mit Vertretungen aus Landrat und betrof­fenen Gemeinden fand die Notwendig­keit einer Westumfahrung sehr grosse Zustimmung.

Was könnten diese in Zahlen ausmachen?
Unsere Modellierungen stellen eine Entlastungswirkung im Bereich der Kantonalbank von zirka 56 Prozent des Verkehrs und im Bereich des Dorfplat­zes von zirka 31 Prozent in Aussicht. Das wäre im Alltag markant spürbar.

Für die Anlage der neuen Direkt­verbindung von der Ennetmooser­strasse zum A2-Anschluss Stans­-Nord beim Länderpark wurden Varianten diskutiert. Welche kamen in den «Final»?
Startpunkt für alle Varianten ist die Ennetmooserstrasse zirka 400 Meter ausserhalb des Kantonsspitals. Die ge­prüften Varianten führen entweder zum Rotzloch-Kreisel beim Burger King oder zum Bitzi-Kreisel bei der Einfahrt zum Parkhaus des Länderparks. Zwar ist die Strecke zum Rotzloch-Krei­sel länger, aber die Zuführung zum Bit­zi-Kreisel ist problematischer: Sie grenzt unmittelbar an Wohngebiet, ist an­schlusstechnisch anspruchsvoller und beinhaltet die Gefahr von Rückstaus bis zur Stansstaderstrasse. Die Bitzi-Lösung wäre zwar etwa zehn Prozent günstiger, die Preisschätzung umfasst aber die dort nötigen Anpas­sungen noch nicht vollständig. Zudem ist sie bereits einmal vom Landrat abge­lehnt worden. Nach dem Abwägen aller Vor- und Nach­teile hat sich der Regierungsrat für die Anbindung an den Rotzloch-Kreisel entschieden.

Das Trassee der Zentralbahn soll unterfahren werden, womit sich die Strasse in den Grundwasserfluss stellt. Weshalb sieht das Projekt nicht die Überführung vor?
Die Machbarkeit der Unterführung ist grundsätzlich gegeben, die Umsetzung aber kostenintensiv – sie beansprucht rund die Hälfte der Baukosten. Auch der Bau einer Brücke wäre nicht billig, wür­de aber das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen, im Betrieb würde sich der Verkehrslärm weitherum hörbar verbreiten.

Kommt die Absenkung nicht mit einer möglichen Tieflegung der Zentralbahn in Konflikt?
Konkrete Vorstellungen über die Linien­führung der Bahn-Tieflegung existieren bislang nicht, wir gehen aber davon aus, dass ein eventuelles Projekt von der Strassenunterführung nicht verun­möglicht wird. Weiterhin möglich bleibt eine ebenerdige Bahn-Haltestelle Bitzi/ Länderpark.

Sind die Grundeigentümerinnen und -­eigentümer mit im Boot?
Wir haben sie laufend und wiederholt informiert. Dass sich die Freude an der neuen Strasse in Grenzen hält, ist ver­ständlich. Immerhin lässt sich sagen, dass die gewählte Variante Rotzloch­Kreisel den Hauptbetroffenen erträgli­cher erscheint als die Bitzi-Variante. In der Detailplanung sind allerdings noch Verbesserungen zu prüfen.

Die Medienmitteilung des Kantons Nidwalden nennt flankierende Massnahmen im Ortskern von Stans als unabdingbar für die Umlenkung des Verkehrsstroms. Was heisst das konkret?
Die Durchfahrt durch den Dorfkern muss unattraktiv gemacht werden. Ge­dacht wird deshalb an die Ausweitung der Tempo-30-Zone, teilweise gar an Tempo-20-Bereiche. Dies trägt dazu bei, den Durchgangsverkehr auf die Umfahrungsstrasse zu verlagern und das Zentrum nachhaltig zu entlasten. Die neue Strasse generiert ein vertret­bares Kosten-Nutzen-Verhältnis nur in Verknüpfung mit den flankierenden Massnahmen.

Wie sieht jetzt der Zeitplan aus?
Der Regierungsrat hat den Planungsbe­richt und den Antrag für einen Projek­tierungskredit über 800'000 Franken an den Landrat verabschiedet. Dieser wird voraussichtlich im Oktober/November darüber entscheiden, ob der vorgeschla­gene Weg weiterverfolgt werden kann. Spätestens mit dem Baukredit von ge­genwärtig geschätzten 41 Mio. Franken wird die Stimmbevölkerung zum Vorha­ben Stellung nehmen können. Geht alles nach Plan, kann die Strasse im Jahr 2035 in Betrieb genommen werden.

Neuer Vorschlag für die Führung der Stanser Westumfahrung. (Bild: zVg)
Neuer Vorschlag für die Führung der Stanser Westumfahrung. (Bild: zVg)