Die Gemeinde Stans will vor 2040 klimaneutral sein
von Peter Steiner
Die Fakten sind wissenschaftlich erhärtet und auch für jedermann erkennbar: Das Klima verändert sich. Die Sommer sind heiss, der Boden trocknet aus, im Wald leiden die Bäume, verfestigte Plätze werden zu Hitzeinseln, Regen fällt meist nur kurz, dafür in grossen Mengen. Im Winter bleiben Niederschläge oft lange aus, Schnee wird zur Seltenheit und die Gletscher schrumpfen sichtbar von Jahr zu Jahr. «Der Klimawandel, oder präziser: die Auswirkungen des Klimawandels sind in Stans angekommen», stellt die Gemeinde in ihrer spezifischen Energie- und Klimastrategie 2024 lakonisch fest. Die Tatsache wird aber nicht achselzuckend weggesteckt, sondern als Aufforderung zum konkreten, aktiven Handeln verstanden.
2000 Watt pro Person
Dass die Klimaerwärmung eine Folge der mit der Industrialisierung und Mobilisierung der Gesellschaft stark gewachsenen CO2-Belastung der Atmosphäre ist, findet mittlerweile kaum mehr ernsthaften Widerspruch. Ein wichtiges Ziel auf allen staatlichen Ebenen ist deshalb die Reduzierung des Konsums fossiler Energien. Von der Zielgrösse des Verbrauchs von verträglichen 2000 Watt Primärenergie pro Person sind wir in Stans (und auch anderswo) noch deutlich entfernt, lag er doch 2022durchschnittlich noch bei 5355 Watt. Den Bedarf teilten sich die Mobilität mit 23 %, Wärme mit 58 % und Strom mit 19 %. Zur Belastung der Umwelt tragen die fossilen Energieträger Erdöl, Erdgas und Kohle den Hauptteil bei, während erneuerbare Energien CO2-neutral sind.
«Goldige» Puzzle-Teile
Mit der Konstituierung der Kommission Energiestadt hat sich die Gemeinde Stans schon vor über 20 Jahren der Thematik der Nutzung umweltbelastender Energien beziehungsweise der Verminderung des Energiebedarfs zugewandt. Ging es anfänglich vor allem um die Propagierung energieeffizienter Geräte im privaten Bereich, setzte sich das Energiebewusstsein nach und nach auch allgemein bei den gemeindlichen Tätigkeiten durch. So wurden (und werden) beispielsweise die Beleuchtungen von Strassen und Plätzen und in den Gebäuden systematisch auf die sehr sparsame LED-Technologie umgerüstet und die Energieflüsse in den gemeindlichen Liegenschaften in einer speziellen «Energiebuchhaltung» akribisch verfolgt. Eine Massnahme daraus war 2015 die Umstellung auf den Bezug von ausschliesslich Wasserstrom. Als wörtlich «goldig» erwies sich die Initiative für den Bau des Heizverbundes untere Kniri, der mittlerweile weit über 100 Gebäude im Dorfkreis mit erneuerbarer, aus Holzschnitzeln gewonnener Energie versorgt – mit ihm als «Leuchtturmprojekt» erwarb sich die Gemeinde den Status «Gold» als Energiestadt. In den 15 Jahren seines Betriebes hat der Heizverbund bereits 8800 Kubikmeter Öl substituiert und damit die Umwelt um 23'500 Tonnen CO2 entlastet, was 5600 Erdumkreisungen mit einem Kleinwagen entspricht. Verbessert wird die Ökobilanz im Wärmebereich jetzt noch zusätzlich mit der Ausdehnung des Wärmeverbundes der Genossenkorporation ins nördliche Siedlungsgebiet der Gemeinde.
Weiterdenken bei den Gebäuden
Grösste «Energie-Schlucker» der Gemeinde sind ihre Gebäude. Seit der Jahrtausendwende stehen sie deshalb unter kritischer Beobachtung beim Unterhalt und bei der Planung neuer Objekte. Der Bau des Turmatt-Schulzentrums ist ein guter Beleg dafür. Die 2005 bis 2007 erstellte Anlage erfüllt dank guter Dämmung der Gebäudehülle und der eingebauten «kontrollierten Raumlüftung» den Minergie-Standard. Auf den Dächern des Feuerwehrgebäudes, des Wohnhauses Mettenweg, des Grundwasserpumpwerks und der Schulanlage Turmatt sind mittlerweile Photovoltaik-Anlagen montiert, die zusammen eine beachtliche Leistung an reinem Solarstrom liefern. Für die anstehende Totalsanierung des Pestalozzi-Schulhauses war die ressourcenschonende Bauweise entscheidend dafür, die in Beton gegossene Grundstruktur nicht zurückzubauen, sondern beizubehalten. Die Zertifizierung (mindestens) nach dem Minergie-Standard ist in Aussicht gestellt, ebenso die Realisierung von PV-Anlagen auf den Dächern des Schulhauses und der Turnhalle. Aufgrund der Klima-Situation ist mittlerweile klar, dass dem sommerlichen Wärmeschutz besondere Aufmerksamkeit gehört, eine Kühlung der Klassenzimmer eingeschlossen.
«e» auch bei den Fahrzeugen
Nicht so gradlinig ist der Weg bei der Dekarbonisierung – weg vom Benzin – des Fahrzeugparks, der bei der Gemeinde inklusive Kleinfahrzeuge Ende 2025 doch 29 Fahrzeuge umfasst. «Bei Beschaffungen prüfen wir seit einigen Jahren sehr genau, was der Markt an energiefreundlichen Modellen bietet», sagt Gemeinderätin Sarah Odermatt, die für die Umsetzung der Klimastrategie im Gemeinderat primär die Verantwortung trägt. So sei für die Wasserversorgung vergangenes Jahr ein geeignetes E-Auto gefunden worden; für die Spezialfahrzeuge von Feuerwehr und Werkdienst machen elektromotorisierte Alternativen wenig Sinn, weil diese Fahrzeuge im Jahr nur wenige Kilometer bewegt werden und damit die «graue Energie» für die Produktion der Batterien kaum kompensieren können.
Grün statt Teerschwarz
Das Erreichen der gesetzten Ziele ist kein Selbstläufer. Es bedarf des steten Engagements sowohl von Seiten des Gemeinderates wie auch der Mitarbeitenden in der Verwaltung. Der Schreibende (ehemals selbst Präsident der Energiestadt-Kommission) durfte sich bei der Prüfung des Umsetzungsstandes im Bereich Immobilien von der Systematik und Seriosität vollends überzeugen lassen, wobei auch vermeintliche Kleinigkeiten zur Sprache kamen. Ein Beispiel: Die dunklen Gummimatten unter Geräten auf Spielplätzen erhitzen sich in der Sommersonne bis zur Unbegehbarkeit. «Sie werden systematisch durch eine Alternative aus Holzschnitzeln ersetzt», berichtet Immobilienleiter Thomas Welte, wie überhaupt die Aussenräume zunehmend relevant geworden sind: Asphaltschwarz soll, wo immer möglich, durch atmungsaktiven Untergrund ersetzt, Bäume dort gepflanzt werden, wo der Boden ein Gedeihen gewährleistet.
Gemeinderätin Odermatt freut sich über die Initiative, die eine Gruppe Privatpersonen um Elsbeth Flüeler mit der Umgestaltung öder Randbereiche ergriffen hat. Die «IG Gartendorf» engagiert sich ganz im Sinne des Gemeinderates, der in seinem Massnahmenplan 2025–28 schreibt: «Wir prüfen und setzen auf gemeindeeigenen Liegenschaften und auf Grünflächen, die im Unterhalt der Gemeinde stehen, Massnahmen für eine verbesserte Begrünung um, damit die Biodiversität im Siedlungsgebiet gestärkt wird und Wärme-Inseln möglichst vermieden werden.» Es sind 1000 grosse und kleine Bemühungen, die zusammen zum Ziel von «Netto Null» führen. Die Gemeinde Stans ist konsequent auf dem Weg dazu.