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Was tun, wenn es an der Sprache fehlt?

29. Dezember 2023
Kinder aus über vierzig verschiedenen Nationen besuchen in Stans den Schulunterricht. Längst nicht alle beherrschen genug Deutsch, um dem Schulstoff problemlos folgen zu können. Das stellt Schulpersonal, Lernende und ihre Eltern gleichermassen vor grosse Herausforderungen.

Um die 12 Prozent, also rund 100 der 810 Stanser Schulkinder, brauchen Unterstützung beim Erwerb der deutschen Sprache. Denn nur wer in der Lage ist, in der Ortssprache mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren, kann erfolgreich lernen und sich aktiv am sozialen Leben beteiligen. Es gibt vielerlei Gründe, warum jemand ohne Deutschkenntnisse in die Schweiz
bzw. nach Stans kommt. Nicht immer ist es die Flucht aus einem Krisengebiet. Es gibt auch Kinder, die hier in eine Familie mit fremder Erstsprache geboren wurden, oder solche, deren Eltern aus beruflichen Gründen aus dem Ausland zu uns ziehen.

Sprache öffnet Türen
In all diesen Fällen heisst das Zauberwort hierfür «DaZ», oder anders ausgedrückt: «Deutsch als Zweitsprache». Die Sprache ist denn auch der erste Türöffner. Erst über sie können weitere Fähigkeiten, aber auch Defizite erkannt werden. Möglicherweise hat ein Kind in seinem Herkunftsland noch gar nie eine Schule besuchen können. Oder es bringt viel Erlebtes mit. DaZ wird in allen vier Stanser Schulzentren unterrichtet. «Dies trägt wesentlich zur Entlastung der Klassenlehrpersonen bei und bietet Kindern mit Sprachdefiziten eine riesige
Unterstützung», so Gesamtschulleiterin Helen Theiler. Kinder, die gar keine Deutschkenntnisse mitbringen, erhalten vorerst intensiven DaZ-Unterricht, jede Woche mehrere Lektionen. Nach kurzer Zeit werden sie einer Klasse zugeteilt und besuchen dort
erst einzelne, nach und nach aber sämtliche Einheiten des Regelunterrichts. Nach der intensiven Deutschlernphase folgt der Aufbauunterricht, der unter Umständen mehrere Jahre dauern kann. Dabei werden die Fortschritte regelmässig überprüft.

Hürden überwinden
Integration geschieht zu einem grossen Teil über die Sprache. Mit zunehmendem Wortschatz kann sich das Kind denn auch differenzierter in der Zweitsprache ausdrücken. Gleichzeitig kann es sein Umfeld und insbesondere sein Lernfeld besser erfassen und verstehen. Und dies wiederum hilft, kulturelle Hürden zu überwinden oder traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Nichtsdestotrotz geraten hin und wieder die verschiedenen Kulturen auf oder neben dem Pausenplatz aneinander – was aber nur selten mit fehlender Sprachkompetenz
zu tun hat, sondern weil Kinder auch mal streiten und am Ende wieder Frieden schliessen.