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Kulturhistorischer Rundgang nach Ursula Flüeler

 

Wer in einem Ort wie Stans wohnt und sich für längere Zeit in unserem Dorf niederlassen will, tut gut daran, sich mit seinem Wohnort etwas vertraut zu machen. Daher möchte ich Sie zu einem kleinen Spaziergang einladen. Meine Erklärungen ermuntern Sie vielleicht, mehr wissen zu wollen über die Geschichte und die Tradition vor allem aber über die Menschen, die ja ein Dorf erst lebendig machen.

Wir starten beim Bahnhof. Über die Robert-Durrerstrasse gelangen wir zum Gemeindeparkplatz. Der links abzweigende Weg ist mit einem Fahrverbot belegt und führt uns zur Unteren Turmatt, einem hablichen Riegelbau aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Untere Turmatt

Im ummauerten Garten steht ein Sodbrunnen. Noch heute schöpft der Besitzer Wasser daraus, um seine Pflanzen zu giessen. Mit Hilfe und unter Aufsicht des Heimatschutzes wurde in den Achtzigerjahren das Äussere des Hauses stilgerecht renoviert.

Liebevoll ist die Innenausstattung gepflegt; besonders sehenswert ist das Jägerstübli im Erdgeschoss mit eingebautem Buffet, Schragentisch und Stabellen.

Buffet im Jägerstübli, Untere Turmatt

Das Haus ist in Privatbesitz und kann innen nicht besichtigt werden. Der grosse Estrich aus dem Ende des 16. Jahrhunderts gefiel aber den Heimatschützern so gut, dass sie im Winkelriedmuseum eine Kopie erstellen liessen.

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Vom Sonnwendhof an der Stansstaderstrasse, der Name stammt vermutlich von einem früheren deutschen Besitzer, kommen wir zum Karli-Platz, wo sich Stansstader- und Ennetmooserstrasse vereinen. Auch dieser Platz hat seinen Namen von einem früheren Anwohner, nämlich vom Käsehändler und Regierungsrat Carl Odermatt (1882-1967). Er wurde an der denkwürdigen Landsgemeinde vom 29. April 1934 zum Säckelmeister (Finanzdirektor) gewählt. Odermatt war ein heftiger Befürworter des Bannalpwerkes, eines kantonseigenen Elekrizitätswerkes, das in der damaligen Wirtschaftskrise vielen Arbeitern Beschäftigung und Verdienst brachte und den Kanton in jener Zeit mit genügend Strom versorgte.

Später stelle die Familie Odermatt das leerstehende Käselager jungen Leuten zur Verfügung. Daraus entstand das noch heute bestehende Kleintheater ”Chäslager“, das aber seit 1982 im ”Höfligaden“ bei der Rosenburg seinen neuen Standort gefunden hat.

Aufwärts geht’s zur Nägeligasse. Das behäbige Bauernhaus, das Sie rechterhand sehen, ist der Pulverturm, erbaut 1792. Der Bauherr, Anton Maria Odermatt, liess sich stark von der Bauweise der Luzerner Bauernhäuser inspirieren. Von aussen kann man leicht die typische Raumeinteilung in der Hauptfassade feststellen: Stube mit drei Fenster, Kammer mit zwei Fenstern. Die Liegenschaft hiess früher ”Feld“ und bekam ihren heutigen Namen durch den sogenannten Pulverturm. Der gemauerte Turm dient von 1670-1908 der sicheren Verwahrung von Schiesspulver und stand deshalb ausserhalb des Dorfkreises. Später musste er dem Bau einer Totenkapelle für das Spital weichen (sie stand bis 1969).

Pulverturm

Hier wurden die Verblichenen aufgebahrt, wenn die Angehörigen sie nicht daheim behalten konnten. Eine Beerdigung war für ein paar Schüler jeweils ein eher freudiges Ereignis. Sie waren Kranzträger, erhielten dafür einen Franken und durften erst noch eine Schulstunde schwänzen. Die neue Totenhalle wurde 1973 eingeweiht und steht beim Friedhof.

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Weiter auf unserem Rundgang kommen wir zum Wohnheim Nägeligasse, einer öffentlichen Stiftung aus dem Jahre 1866. Erbaut als erstes Nidwaldner Kantonsspital, wurde es nach dem Neubau des jetzigen Kantonsspitals 1969 seinem heutigen Zweck zugeführt.

Von der kleinen Brücke über dem Stanserhornbahn-Trassee sehen wir das Bahnhöflein dieser Bergbahn, die1993 100 Jahre alt geworden ist. Es war ein Obwaldner, der uns die Schönheit der Bergwelt mit seinem Unternehmergeist erschloss: der berühmte Hotelkönig Franz-Josef Bucher-Durrer (1834-1916). Er konnte von hier bis Kairo immer in eigenen Hotelbetrieben logieren und dank Freikarten auch gratis reisen.

Stanserhornbahn

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Das Keyser-Haus, erbaut 1563, rechts an der Gasse, gehörte früher der Künstlerfamilie Keyser, die den Winter in München, den Sommer in ihrem Haus auf dem Ennerberg und die Zwischensaison in Stans verbrachte. Heute beherbergt es das “Chinderhuis“ Nidwalden.

Keyserhaus

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An der Nägeligasse 4 wohnte Veronika Gut. Sie gehörte zur Zeit des Franzosenüberfalls von 1798 der Gruppe der Verteidiger der alten Ordnung an. Sie unterstützte mit Geduld und mutigen Worten die Gegner der Helvetik und stellte ihre Stube im Erdgeschoss für geheime Zusammenkünfte zur Verfügung. In diesem Raum steht noch heute ein mit Intarsien verziertes Büffet mit ihren Initialen.

Büffet im Haus an der Nägeligasse 4

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Von der Gasse her präsentiert sich der Kirchturm besonders eindrucksvoll. Der untere Teil soll aus dem 13. Jahrhundert stammen.
Unsere Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde in den Jahren 1641-1647 erbaut. Sie hatte schon fünf Vorgängerinnen, wie man aus den Ausgrabungen zur Zeit der Renovation 1984-1988 schliessen konnte. Zum Bau hatte man Materialien aus der näheren Umgebung verwendet. Anstelle des vorbestellten Sandsteins für die Säulen und Altäre fand man in der ”Kniri“ (Name wohl keltischen Ursprungs, daher ungewiss) Kalkstein, den sogenannten ”Stanser Marmor“. Da Nidwalden ein Nussbaumland war – jeder gefällte Baum musste durch einen jungen ersetzt werden - stand genügend wertvolles Holz für das Chorgestühl, das Portal und die ”Chruzli“ zur Verfügung. Setzen Sie sich einmal in eine dieser Seitenbänke! Diese kleinen Betstühle beanspruchten das Kreuz empfindlich, vielleicht sollte man sie Bussstühle nennen. Der Doppeladler über dem Hauptportal erinnert an die Zeit vor 1648, als die Eidgenossenschaft noch nicht rechtsfrei war. Kunstvolle Arbeit haben die Schmiede geleistet: Betrachten Sie die Stützen der drachenköpfigen Wasserspeier, die Türbeschläge und Türschlösser!

Kirchbank "Chruzli"

Wasserspeier

Remigiusaltar

In den Chornischen stehen sich Bruder Klaus und sein Enkel Bruder Konrad Scheuber gegenüber. Wie sein Grossvater diente Konrad Scheuber dem Lande und zog sich später in die Einsamkeit am Wellenberg zurück.

Im Empirealtar links sehen wir die von Sr. Augustina und ihrem Bruder Anton Flüeler kunstvoll gefassten Gebeine des Katakombenheiligen Remigius. Der Bildhauer Hans von Matt entwarf die Silberarbeiten. Um die Reliquien solcher Katakombenheiliger zu erwerben, musste der Empfänger dem richtigen Stand angehören und sich finanziellen Wohlstandes erfreuen, denn Erwerb, Verpackung, Transport und Trinkgelder erforderten einen schönen ”Batzen“.
Ein seltenes Kunstwerk ist der feuervergoldete Bronzeleuchter. Gefertigt wurde er um 1420 in Dinand, im lothringischen Gebiet, das zum Burgunderreich gehörte. Wie kommt dieser wertvolle Leuchter nach Stans? Gespendet wurde er von einem der Bauherren der Pfarrkirche, Melchior Leuw. Nicht überliefert ist, ob er aus der Burgunderbeute stammt, die nach den Siegen über Karl den Kühnen in der Peterskapelle in Luzern verlost wurde.

Bronzeleuchter

kleine Orgel

Die Chororgel ist das Werk des Alpnacher Orgelbauers Niklaus Schönenbüel (1600- 1668). Mit der Orgel von Valeria/Sitten gehört sie zu den ältesten spielbaren Orgeln der Schweiz. Die Taufszene auf dem Deckel des Taufsteins hinten im Kirchenschiff ist leider eine Kopie. Das Original wurde gestohlen.

Taufstein

Im Unteren Beinhaus sind Schädel und Gebeine aus dem früheren Friedhof aufbewahrt. In den Zwanzigerjahren waren es viel mehr, die der Kunsthistoriker Dr. Robert Durrer damals gerne der Forschung zugänglich gemacht hätte. Während seiner Ferienabwesenheit liess der Kirchenrat aber die Gebeine bis auf einen Rest ausräumen und an einem unbekannten Ort beisetzen. Um das Beinhaus ranken sich viele Sagen. So hätten einst zwei junge Burschen gewetteifert, wer von ihnen beiden der mutigere sei. Es ging darum, um Mitternacht beim Glockenschlag einen Totenschädel zu entfernen. Also stieg der eine in stockfinsterer Nacht die Treppe hinunter, öffnete die Türe, näherte sich der Schädelwand und streckte seine Hand nach einem Totenkopf aus. Da erscholl eine tiefe, hohle Stimme und befahl: “Lass mein Haupt ruhen!“ Der Dieb erschrak fürchterlich, fasste sich aber schnell und griff nach dem nächsten Schädel. Wieder ertönte der gleiche Befehl: “Lass mein Haupt ruhen!“ Diesmal aber packte der Bursche zu und rief: “Dui wirsch wohl nid zwee Grinde gha ha!“ 



Unteres Beinhaus

Übrigens rührt die dunkle oder helle Färbung der Gebeine vom Holz der Sargbretter her. So lässt sich heute noch feststellen, wenn jemand in einem Eichensarg beerdigt wurde, denn die dunkle Farbe wird durch die Gerbsäure in diesem Holz verursacht. Wie in jedem Beinhaus hält St. Michael Wache mit Flammenschwert und Waage.

Gut-Tod-Bild

Über dem Portal des Oberen Beinhauses liest man die Jahreszahl 1560. Der Raum dient Schülergottesdiensten, Jugendtreffen und dem Sterbegebet. Statt das üblichen Kreuzes auf dem Mittelaltar sehen wir eine Darstellung von Jesus an der Geisselsäule, ein Kopie des berühmten Altars in der Wieskirche in Bayern. Diese liess Melchior Remigi von Matt nach einer Wallfahrt in eben diese Wieskirch anfertigen. Ein Gut-Tod-Bild ziert die Ausssenwand. Wappen und Köpfe fielen einer Dachsanierung zum Opfer. Die Gedenktafel erinnert an die Toten vom Franzosenüberfall am 9. September 1798.

Votivbild

In der tiefer gelegenen Muttergotteskapelle ”Maria unter dem Herd“ kann man sich nach Italien versetzt fühlen. Viele Menschen haben Vertrauen in die Fürsprache der Gottesmutter. Die vielen brennenden Kerzen zeugen von vielfältigen Sorgen und Anliegen. Früher zierten Votivbilder die Wände beim Eingang, heute sind die noch vorhandenen unter Verschluss, weil sie oft unrechtmässig entfernt worden waren. Votivtafeln sind liebevoll gestaltete Bilder zum Dank für Gebetserhörungen.

Der Name ”Unter dem Herd“ stammt wohl daher, dass während eines Kirchbannes ”auf dem Boden“ kein Gottesdienst mehr gefeiert werden durfte. Darum wich man unter die Erde aus.

In der Ölbergkapelle aus dem Ende des 15. Jahrhunderts schlafen die Jünger noch immer, unberührt von der Todesangst Christi und den sich nähernden Häschern.

Ölbergkapelle

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Das Winkelried-Denkmal, von Ferdinand Schlöth in Rom aus Carrara-Marmor gehauen und 1865 in Stans aufgestellt, scheint mir ein Symbol des Werdens und Vergehens zu sein. So könnte man jedenfalls das Denkmal unseres Helden Arnold Winkelried, der ja bekanntlich bei den Historikern umstritten ist, auch sehen. Auf welchen Wegen ist das Kunstwerk vor mehr als 100 Jahren hierher nach Stans gelangt? Zuerst wurde es in einer Holzkiste von Rom auf einem Tiberschiff nach Civitavecchia gefahren und dort in ein Segelschiff mit dem Ziel Marseille umgeladen. Von Marseille ging’s rhoneaufwärts bis Lyon per Bahn. Es musste ein Tiefgangwagen angefertigt werden, damit die Kiste nicht an den Tunnelwänden anstiess. Ein Nauen trug die schwere Last von Luzern nach Stansstad. Ab hier wurde das kostbare Werk auf holpriger Landstrasse mit Pferde- und Menschenkraft nach Stans gezogen. Bei der prächtigen Einweihungsfeier war der Bundesrat in corpore anwesend, und natürlich fehlte der Schweizerische Kunstverein nicht, der dem Denkmal zu ”Gevatter“ stand. Der Initiant zum Bau des Monuments, Anton Albert Durrer (1793-1865), starb wenige Monate vor dem Fest. Er beantragte zur Zeit des Eidgenössischen Freischiessens 1853 in Luzern dem Gemeinderat von Stans, dem Helden Winkelried ein würdiges Denkmal zu errichten, und startete eine recht erfolgreiche Spendenaktion.

Winkelrieddenkmal

Dorfplatz mit Frauenvorzeichen

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Der Dorfplatz, nach dem Brand 1713 auf Befehl der Obrigkeit neu entstanden, musste wegen des Denkmals verändert werden. Der damalige Friedhof wurde auf der Ostseite verkleinert, das ”Frauenvorzeichen“ (ein pavillonartiger Bau) im Osten entfernt und die grosse Freitreppe zum Hauptportal durch eine dreiläufige ersetzt. Heute ist diese Treppe wieder erstellt, aber steiler und darum weniger ausladend.

Das Rathaus, Ende des 15. Jahrhunderts im gotischen Stil erbaut, ist – ausser dem Turm – am 17. März 1713 dem Dorfbrand zum Opfer gefallen. Wichtige Dokumente und die Landammänner-Portraits konnten gerettet werden. Im Erdgeschoss öffnet sich eine Halle, geschmückt mit zwei Landesbannern. Sie wird bei Abstimmungen und Empfängen benutzt.

In der typischen Nidwaldner Stube steht der prächtige Kachelofen aus dem 18. Jahrhundert, der früher den Ratsaal beheizte.

Kachelofen

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Im ersten Stock befindet sich neben der Folterkammer der ”Bannersaal“. Banner sind zwar keine mehr zu sehen, aber ein Deckengemälde, das das Salomonische Urteil darstellt. An den Wänden hängen die Wappen der führenden Geschlechter. Landammann Achermann, der Sieger von Sins (20. Juli 1712), dessen Wappen trotz seiner grossen Verdienste nach seiner Ansicht nicht den verdienten Ehrenplatz erhalten hatte, bemühte mit seiner Klage 1713 eine Extrasitzung des Landrates. Nach gutem Zureden gab er sich mit dem vorbestimmten Platz nur äusserst ungern zufrieden.

Landratssaal

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Im Landratssaal, dessen Portal bemerkenswert ist, schauen die früheren Landammänner den heutigen Volksvertretern über die Schultern. Interessanterweise sitzen die Landräte nicht, wie in anderen Parlamenten, nach den Parteien, sondern nach den Gemeinden geordnet in den Bänken.

Am Turm, der die Schatzkammer umschliesst, steht die älteste Skulptur von Bruder Klaus.

Bruder Klaus

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Seit dem 1. April 1976 ziert die von Rolf Brem gestaltete Bronzearbeit ”Das Mädchen und der Tod“ das Postament des sogenannten oberen Brunnens zwischen Rathaus und Winkelrieddenkmal. Schon in der Chronik von Diebold Schilling finden wir auf dem Bild des Stanser Verkommnisses von 1481 einen hölzernen Brunnen. Wappen und Wetterfahne standen auf dem Brunnenstock. Von 1732 bis 1841 beschützte Bruder Konrad Scheuber das kostbare Nass. Er wurde von einer Statue des hl. Johannes Nepomuk abgelöst, bis ein Lastwagen mit seiner Fuhre den Heiligen vom Sockel riss.

Das Mädchen mit dem Tod

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Auf dem Weg zum Frauenkloster St. Klara steht links das Oberhaus. Dort wirkte der Maler Melchior Paul von Deschwanden (1811-1881). Seine Altarbilder schmücken viele Kirchen. Sein Denkmal steht vor dem Regierungsgebäude am Dorfplatz.

Oberhaus

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Das Kloster St. Klara geht auf die Gründung von Katharina und Maria Gut im Jahre 1618 zurück. Der Bau des Klosters dauerte von 1620 bis 1625. Auf diesem Platz stand vorher der Galgen, und dort wohnte auch der Scharfrichter. Was hätte den düsteren Ort besser ”heilen“ können als das uneigennützige Wirken und eifrige Beten gottgeweihter Frauen? Die Klosterfrauen haben sich vor allem um die Mädchenbildung verdient gemacht, indem sie die Mädchenprimarschule betreuten und ein Internat führten, wo in der Sekundarschule, in der Handelsschule und im Lehrerinnenseminar Mädchen ausgebildet wurden.

Prosperaltar Frauenkloster

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Durch Sr. Augustina Flüeler (1899-1992) war das Kloster bahnbrechend in der Erneuerung kirchlicher Gewänder. Ein Besuch der Klosterkirche lohnt sich wegen des Ritzaltars und der Ansicht von Stans um 1680 auf dem Prosperaltar.

Am 4. Sonntag nach Ostern kann man die kunstvoll gefassten Gebeine des Katakombenheiligen Prosper sehen, der das Jahr hindurch hinter dem Altarbild versteckt ist.

Rechts vom Hofeingang erinnert eine Steintafel an Heinrich Pestalozzi (1746-1829), der nach dem Franzosenüberfall die Waisenkinder in den Klosterräumen sammelte und sechs Monate betreute, bis das Kloster als Truppenunterkunft für französische Soldaten requiriert wurde. Die Waisenkinder fanden im Berner Seeland und im Kanton Luzern neue Pflegeeltern.

Ein schmaler Pfad zwischen Oberhaus und Kloster führt zum Friedhof. In der Halle finden wir wertvolle Werke verschiedener Stanser Künstler.

Friedhofhalle

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Das Kapuzinerkloster (1583) ist eine Schenkung von Ritter Melchior Lussy (1529-1606). In der Zeit der Gegenreformation und des Konzils von Trient berief Lussy als Abgesandter der katholischen Orte die Kapuziner ins Land. Anfänglich sträubte sich das Volk gegen die Ordensbrüder. Ihre fremde Sprache, die armselige Kutte mit dem Strick um den Leib, die blossen Füsse in den Sandalen und die ungepflegten Bärte entsprachen nicht dem Bild, das man sich von Klerikern machte. Im Jahre 1777 eröffneten die Kapuziner eine Lateinschule, die wegen des Franzosenüberfalls einen Unterbruch bis 1803 erlitt. Im Juli 2004 wurde das Kloster aufgelöst. Das Kollegium St. Fidelis wurde 1895 erbaut und 1988 vom Kanton erworben. Die Klosterkirche stammt aus dem Jahre 1683.

Kapuzinerkloster

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Steigen wir ab zum Winkelriedhaus. Im ältesten Teil wohnte zwar ein Winkelried, aber nicht der Held von Sempach. Später ging der Sitz an die Familie Lussy über, die ihn nord- und südwärts erweiterte und ihm die heutige Form gab.

Winkelriedhaus

Seit 1993 betreibt der Kanton darin ein Museum.
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Vom Winkelriedhaus wenden wir uns der Engelbergerstrasse zu. Das Bauernhaus ”Fahrmattli“, schon zur Gemeinde Oberdorf gehörig, fällt auf durch seine eisenbeschlagene Haustüre mit dem Lussy-Wappen und einem behäbigen Brunnen.

Wir zweigen links zum Dorf hin ab in die Schmiedgasse, einstmals die Gasse der Handwerker. Da trafen sich zur Znünizeit die Meister in ihren Lederschürzen und genehmigten sich einen Trunk in einer der heimeligen Wirtschaften, die es hier immer noch gibt.

Im Haus Nr. 44 wohnte der letzte Nachtwächter von Stans, genannt ”Roter Chlais“, der von 1876 bis 1908 im Dienste der Gemeinde nachts mit dem Brandhorn unterwegs war.

Eine Gedenktafel erinnert an den ersten Nidwaldner Bischof Gabriel Zelger (1867-1934), der in einer Seitengasse im Haus 31 aufwuchs und später in Tansania als Missionar wirkte.

Das Waltersbergli, liebevoll von privater Hand restauriert, soll das älteste Haus (ca. 14. Jh.) an der Schmiedgasse sein.

Waltersbergli

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Der Spittel, nach dem Dorfbrand neu erbaut, war zugleich Spital, Armenhaus und Altersheim der Kirchgemeinde. Er liegt am Dorfbach. Bis 1971 war dieser durch das ganze Dorf führende Bach noch offen, und es gab wohl kein Schmiedgässlerkind, das nicht mindestens einmal hineingefallen wäre.

Spittel

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Da hauste zum Beispiel Katharina Josefa Angelika, das ”Aengelini“ (1878-1952), eine kräftige, etwas gebeugte Gestalt. Sie rauchte Pfeife und zöpfelte ihr Haar auch im Alter noch mit ”Zipfebändi", was sonst jungen Mädchen vorbehalten war.

Aengelini

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Hier lebte auch der ”Bärtili-Lätsch“ mit seiner Frau. Wie es ihr übel ging und sie im Sterben lag, wollte sie noch einmal das Bett verlassen und sich ankleiden. Ihr Mann hatte aber die Kleider schon verkauft. Deshalb befahl er kategorisch: “Niid isch, etz wird gschtorbe!“ Das erledigte seine Angetraute denn auch gehorsam. Oben im Spittel befanden sich Arrestzellen. Dominik Lussi (1899-1973), ein geschickter Steinmetz, war Spittelmeister. Als recht gutmütiger Mann liess er die Inhaftierten oft an seinem Familienleben teilnehmen. Nur wenige missbrauchten dieses Vertrauen. Auch sein Sohn und Nachfolger ”Domini“ führte den Spittel bis vor ein paar Jahren in diesem Sinne weiter, und einige “Ehemalige“ erinnern sich dankbar an die gute Betreuung.
Vater Dominik Lussi, ein stattlicher Mann mit schönem Bart, führte das Gericht als Schwertträger im Landsgemeindezug an. Ganz gehörig musste er aufpassen, denn er durfte nicht im Takt der Feldmusik marschieren. Sein eigener Schritt sollte die Unabhängigkeit des Gerichts dokumentieren.

Schmiedgasse

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Die Hintertüre vom Haus von Matt, Marktgasse 7, war tagsüber nie verschlossen. Im zweiten Stock wohnte Frau alt Landammann Marie von Matt-Odermatt, eine kleine, feine Grossmutter, eine wirkliche Landesmutter, die sich der Sorgen und Nöte des Volkes annahm. Ruhig sass sie auf ihrer Wandbank und hörte geduldig zu, wenn jemand seine Anliegen vorbrachte. Jeder wusste sich von ihr verstanden, und sie veranlasste vielfältige soziale und caritative Hilfe, hielt sich selbst aber immer im Hintergrund.

Die Marktgasse 1 war das Untere Haus der Deschwanden. Hier wohnte bis 1960 ihr letzter Spross, Herr Major Anton. Er betrieb ein Kolonialwarengeschäft, das ihm den Übernamen “Spaghetti-Toni“ einbrachte. Seine vornehme Gestalt beeindruckte, besonders aber sein Auftreten als Grandseigneur. Meist hielt er sich in seinem Kontor auf. In diesem Büro tapezierte er eine Wand mit “Leidhelgili“; das sind Fotos zum Andenken an Verstorbene. So sicher wie das Amen in der Kirche war sein alljährlicher Auftritt an der Landsgemeinde, wo er staatsmännische Worte sprach und gerne in Gedichtform rezitierte.

Die heutige Linde war früher ein Bürgerhaus. Da Krone und Linde an den Kanton übergingen, übertrug man das Wirtepatent des früheren Hotel Krone, wo übrigens Goethe auf seiner Schweizerreise nächtigte, auf das Nachbarhaus. Beide Häuser haben seit dem Dorfbrand ihren Platz behalten. Leider sind durch den Aufbau eines zusätzlichen Stockwerkes die Proportionen der Krone verfälscht.

Zur Zeit des Franzosenüberfalls hiess der Kronenwirt F.X. Jann. Seiner Tochter Klara verdanken wir, dass Kirche und Dorf von Brandschatzungen und Plünderungen verschont blieben. Ihre freundliche Bewirtung und ihr inständiges Bitten bewegten die Besetzer zum Guten.

Dorfplatz mit Brisen und Krone

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In der Krone brannte im Dezember 1905 zum ersten Mal elektrisches Licht. Dieses Ereignis, so erzählte Bäckermeister Bläsi Christen vom “Kreuz“, wurde gebührend gefeiert. Ein Trommler begleitete einen sogenannten Sandwichmann, der hinten und vorne einen beschrifteten Karton trug und so die Neuigkeit im Dorf verbreitete. Abends fand die Vorführung der Neuheit statt, indem jeder Gast einmal den Schalter drehen durfte. Die Kohlenfadenlampe, die spärlich Licht spendete, war damals etwas Besonderes, wenn man bedenkt, welche Mühe das tägliche Reinigen der Petrollampe verursachte.

Wo heute regiert wird, prangte vordem das “Glaserhaus“. Wenn man alte Fotos betrachtet, bedauert man, dass es nicht erhalten blieb. Es trug viel zum harmonischen Dorfplatz bei.

Dorfplatz mit Glaserhaus

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Die Tiefe war eigentlich ein kleiner Platz, umgeben vom Sigristenhaus, dem kleinen Haus der Durrer (heute Drogerie-Neubau), einem flachgiebligen Bau und der weit ausladenden Kirchentreppe.

Vom Engel gegen den Alten Postplatz stand ein kleines Schuhmacher-Haus, anschliessend daran der Pferdestall. Hier waren die Pferde des Hotel Engel und die der Pferdepost nach Engelberg untergebracht. Wer mit der Post nach Engelberg reisen wollte, musste sich vorher anmelden.

Das Haus Alter Postplatz 4 beherbergte das richtige Postbureau von Stans mit dem einzigen Telefonanschluss im Dorf. Das Tram Stansstad-Stans – als Zubringer vom Dampfschiff-Landeplatz in Stansstad zur Stanserhorn-Bahn – zirkulierte von 1893-1903, bis es von der Stansstad-Engelbergbahn abgelöst wurde. Endstation dieser elektrischen Strassenbahn war der alte Postplatz. Von dort fuhr sie rückwärts, bis sie auf einer Drehscheibe beim Stanserhorn-Bahnhof gewendet wurde, um wieder vorwärts nach Stansstad zu rollen.

Das Haus an der Stansstaderstrasse 8, ein verputzter Riegelbau von 1724, gehörte einst der Familie Obersteg, die einige Kunstmaler hervorbrachte. Die Obersteg waren in der Reformationszeit aus dem Simmental hierher emigriert und wurden ins Bürgerrecht aufgenommen. Von dieser Ahnen-Familie leiten einige Nidwaldner Künstler ihre besondere Begabung ab (Stöckli, Achermann, Flüeler).

Alter Postplatz

Tram Stansstad-Stans

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Am alten Postplatz steht das von einer alten Mauer umschlossene ”Höfli“, die Rosenburg. Mauerwerk und Grundriss weisen auf das 13./14. Jahrhundert hin. Reichlich fliessende Pensionen aus Venedig ermöglichten es Landammann Johannes Waser († 1610), den Bau prunkvoll aus- und umzubauen. Er verarmte nach dem Tod von Ritter Melchior Lussy, weil die Soldgelder versiegten. Auch die nachfolgenden Besitzer waren nicht in der Lage, das Anwesen standesgemäss zu erhalten. Erst 1976-1982 restaurierte eine Stiftung den Komplex, richtete ein Restaurant ein und stellte bis 2013 die oberen Stockwerke für das historische Museum zur Verfügung.

Höfli

Im Ökonomiegebäude der Rosenburg befindet sich des Kleintheater “Chäslager“. Das Salzmagazin an der Stansstaderstrasse wurde 1700/1701 als solches und als Kornspeicher erbaut und hat vielen Zwecken gedient. Es war Theater, Sekundarschulhaus und zuletzt Museum des Historischen Vereins. Heute steht es für Ausstellung zeitgenössischer Kunst zur Verfügung.

Salzmagazin

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Die Obere Turmatt, 1729 von Landammann Sebastian Remigi Keyser erbaut, birgt zahlreiche kunsthandwerkliche Schätze, die aber in Privatbesitz sind und nicht besichtigt werden können (Täferstuben).

Die Büntistrasse verdankt ihren Namen dem Chronisten Landammann Johann Laurentz Bünti (1661-1736).

Nun führt unser Weg wieder zurück zum Ausgangspunkt, dem Bahnhof. Es gibt noch einige andere Rundgänge, die ich den interessierten Bewohnern oder Besuchern empfehlen könnte, so die Wanderung “Rund um Stans“ oder den Besuch der Kapellen an den Ausfallstrassen, oder den Abstieg von der Station Chälti bis ins Dorf. Auch auf eigene Faust gibt es viel zu entdecken in unserem schönen Stans; hoffentlich habe ich Sie dazu angeregt.

Obere Turmatt

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Franzosenüberfall vom 9. September 1798:

”Die Helvetik: Da die aristokratischen Machtträger in der Schweiz auch nach dem Ausbruch der Französischen Revolution nicht fähig waren, das soziale System den neuen Forderungen anzupassen, mehrten sich die Stimmen, welche die Lösung der Probleme allein von Frankreich her erwarteten. Unter eher fadenscheinigen Gründen marschierten zu Beginn des Jahres 1798 französische Truppen in die Schweiz ein. Ein Grossteil des Volkes begrüsste sie freudig; namentlich Berner und Innerschweizer leisteten aber, angestachelt durch die herrschende Oberschicht, erbitterten Widerstand. Die Übermacht war jedoch zu erdrückend. Nach französischem Sieg litt das Schweizervolk unter Plünderung, Brandschatzungen und Kriegssteuern.“
Zitat aus: Die Schweiz, ein Nachschlagwerk. Verlag Ex Libris 1975.

Franzosen-Überfall vom 9. September 1798

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